Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii …

Das war er also, mein erster Marathon 42,195km oder 26,2 Meilen wie es hier offiziell heisst. Dank der Ausschreibung der Laufszene Sachsen in Verbund mit dem Thomas Sport Centersowie der Intersport Mälzerei gewann ich am 11.April diesen Jahres eine Laufreise zum größten und des prestigeträchtigsten Marathons der Welt, dem New York City Marathon.Nach erfolgreichem Finishen meiner ersten Triathlon-Mitteldistanz Ende August standen nun 8 Wochen Vorbereitung zu diesem sportlichen Highlight an. Dank Reiner Mehlhorn, der mich seit Mai mit Rat, Tat und Trainingsplan inkl. Coaching die gesamte Saison unterstützte wurden die Laufeinheiten länger und länger, obwohl die Tage kürzer wurden. Step by Step näherte ich mich wieder den 30 km an und eine intensive Trainingswoche an der Ostsee legten den Grundstein für 32 km an meinem Geburtstag sowie einem 35 km Run, obwohl ich durch einen Infekt Ende September/Anfang Oktober etwas ausgebremst wurde. Als Höhepunkt der Vorbereitung absolvierte ich mal wieder ausserhalb des Trainings einen schnellen 10er, mit PB, zum Morgenpost-Marathon in Dresden, an dem viele Vereinskameraden aktiv mitwirkten.

Derart gestärkt und fit ging es dann am 28.10. erst nach Berlin zum, und dann mit dem Flieger nach New York. Über InterAir war diese Laufreise gebucht und auch Radio Dresden mit ,,Andre und die Morgenmädels“ waren vor Ort. (*Bild1) New York empfing uns mit strömendem Regen unabhängig davon gingen wir vom Hotel abends noch zum Time Square Lichterbummeln. Am Donnerstag stand dann Sightseeing auf dem Programm also ging es nach einem amerikanischen Frühstück los. Dank Christoph von Radio Dresden hatten wir einen Ortskundigen par Excellance am Start, der uns zu Fuß bzw. mit der Metro zu einigen Hotspots New Yorks brachte. Nachmittags entschied ich mich für den InterAir Lauftreff im Central Park, also pünktlich 16 Uhr Abmarsch vom Hotel zum Treffpunkt Columbus-Circle. Der Lauf war mehr oder weniger ein Spaziergang zur Finish-Line mit Ablaufen der letzten Meile der Laufstrecke einmal Hin und Zurück. Highlights waren hier das Zusammentreffen mit den deutschen Marathonlegenden Irina Mikitenko und Herbert Steffny, welche für InterAir aktiv sind.

Freitag dann Abholung der Startunterlagen auf der NY-Messe und anschliessende River-Cruise auf Hudson und East River. Auf der Marathonmesse gelang mir dann der Sprung im Vereinstrikot (*2) auf die Titelseite der neuen Runners World- Ausgabe, jedenfalls wurde das Layout schon mal getestet. Bei bestem Wetter ging es danach aufs Schiff und auf der zweistündigen Bootstour ging es einmal rund um Manhatten vorbei an Freiheitsstatue, One World Center, unter Brooklyn- und Manhattenbridge bis zur UNO und wieder retour. Nach Rückkehr fuhren wir zu viert zum Ground Zero und fuhren nach kurzem Warten auf das neu eröffnete One World Center. Der Ausblick von dort ist atemberaubend, eigentlich fehlem einem da die Superlative, dies zu beschreiben.

Langsam stieg die Aufregung und am Samstag gingen wir früh gemeinsam mit einigen Mitstreitern zum gebuchten 5K Dash to the Finishline, einem obligatorischen Lauf am Vortag des Marathons  auf gesperrten Strassen quer durch Manhatten mit Ziel Finish Line im Central Park. Schon hier konnten wir dieses New York Feeling spüren, denn es standen auf den 5km die Menschen dicht an dicht und feuerten die Läufer frenetisch an. Besonders chic waren diejenigen in bunten Kostümen, schliesslich war an dem Tag Halloween.(*3) Nach kurzem Aufwärmen fuhr ich dann noch zur Brooklyn-Bridge, obwohl eigentlich Schonung angesagt gewesen wäre; fragt sich nur wie man da noch etwas von der Stadt mitbekommen will. Nach einer gemeinsamen Pastaparty beim Italiener um die Ecke waren wir dann doch beizeiten wieder im Hotel um uns noch eine Mütze Schlaf zu holen.

RACEDAY bedeutet 04.45 Uhr wecken, pünktlich 05.45 Uhr fuhr der Bus ohne Rücksicht auf evtl. Verspätung ab in Richtung Start. Da dieser sich auf Staten Island befindet und über Amerikas größte Brücke führt, welche ab 07 Uhr komplett gesperrt wird und später die ,,Startrampe“ darstellt, wird da seitens der Orga entsprechend Druck ausgeübt. So stiegen wir nach nicht mal einer Stunde an der Verenzano-Bridge aus, was gleichzeitig mit der Dämmerung erfolgte. Durch Sicherheitsschleusen gelangten wir in die Starting Area(*4), wo sich quasi alle 51000 Starter einfinden müssen. Hier erfolgte dann die Trennung in die Startzonen (oder auch Villages) Wave 2 und Green-Village bedeutete für mich Startzeit 10.15 Uhr und die ,,kürzesten“ Wege zum Start. Vor allem aber fast 3 Stunden ausharren im Village. Natürlich wird man ausreichend versorgt und es war auch nicht so kalt wie in den Vorjahren (letztes Jahr Temperaturen um den Gefrierpunkt), aber irgendwie ist das Warten schon belastend(*5).  Irgendwann geht es dann aber Schlag auf Schlag. Einchecken in die Vorstartzone 09.30 Uhr und ab 09.50 Uhr dann Vorrücken zum Start. Nach Betreten der Vorstartzone ,,lernte“ ich Daniel kennen. Daniel von den New York RoadRunnern (NYRR) war Zeitläufer für die 4h, was eine Pace von 9.09. bedeutet (auf die Meile versteht sich). Insgeheim liebäugelte ich schon mit der sub 4, obwohl mich alle einbremsten, von wegen geniessen und so. Egal mein Plan stand, so lange wie möglich Daniel folgen und dann mal schauen. Schon beim Aufrücken bemerkte ich bei 15-20 anderen Startern den selben Plan.(*6) Start 10.15 Uhr: Mit Polizeibegleitung in Form von Hubschraubern kam Profifeeling auf. Ständig kreisten an und über der Brücke 3 Helis um unsere Köpfe, Los ging es und durch die Pfeiler einen Blick auf Manhattan gehascht, welches ca. 20km Luftlinie entfernt ist. Nach ca. 4km und dem Abbiegen vom ExpressWay in eine Brooklyner Straße ging der Wahnsinn los. Buchstäblich vom ersten Meter bis ins Ziel im Central Park standen die Zuschauer am Straßenrand um mit typisch amerikanischen Anfeuerungen die Läufer zu begleiten. Anfangs machte es richtig Spaß die Leute am Rand abzuklatschen, ganze Schulklassen feuerten einen an und alle 500m warteten Kapellen oder Bands mit Musik auf die Läufer. Die Zeit und die Strecke vergingen bis zum Halbmarathonmarke an der Pulaskibridge wie im Zeitraffer und die Durchgangszeit von 1:57:30 sagten mir, das Daniel seinen Job gut machte. Getreu dem Motto ,,hinten sch…. die Kuh“ dachte ich nur daran nicht zu überpacen. Auf der Queensboro-Bridge half ich Daniel dann einen Riegel auszupacken, so durfte ich kurz das Schild mit der magischen Zahl tragen, Rückabwicklung und ein ,,thanks“, mehr Worte und ein freundliches Lächeln waren nicht nötig. Ab Manhatten begann dann das Elend. Kaum die Brücke in einer 270° Kurve verlassen und auf die First Avenue eingebogen ging es 7 km nur geradeaus. Zwar war die Begeisterung genauso wie am Anfang, aber durch die hohen Gebäude links und rechts wurde der Schall umso lauter in meine Ohren übertragen. Spätestens drei Kilometer später wünschte ich mir Ohropax herbei. Bloß gut das meine Beine meinen Augen und somit Daniel folgten, also weiter immer nur weiter. Irgendwann am Ende dieser langen Geraden wurde plötzlich wieder eine Brücke sichtbar, was gleichbedeutend mit dem Abstecher in die Bronx war. Über die Willis Avenue Bridge in einem Bogen und ca. 2km weiter zurück über Madison Avenue Bridge wurde es hier mal etwas ruhiger, da der Abstecher hier durch ein Gewerbegebiet führt. Kurzer Blick zurück, o.k. Daniel ist in der Nähe. Zurück in Harlem setzte das Stakkato wieder ein und steigerte sich bis zum Einbiegen in den Central Park frenetisch, was mir zu der Zeit bereits tierisch auf den Trichter ging. Überhaupt wurde es ab jetzt von Kilometer zu Meile schwer. Beine und Kopf sagten ,,eh lass mal gut sein“, aber der Wille war stärker. Nach einem kurzen Tankstop (der wirklich einzige Stop) bei dem ich mir ein Tütchen Salz geben ließ nahm ich wieder Gang auf…..nur wo war Daniel??? He , mein amerikanischer Taktgeber, mein Pacemaker wie soll ich jetzt finishen??? Er war einfach nicht mehr da, hatte ich soooo lange gewartet? Shit Happens noch 7 km liegen vor dir und das Grün des Central Parks ist in Sichtweise. Bei km 37,5 dann endlich rechts einbiegen in das Grün des CP, das Geschrei wich wieder angenehmeren Lautstärken, was so ein paar Bäume alles an Schall schlucken, jetzt noch reichlich 4 km dann ist es vollbracht. Und was hatte Steffny gesagt?,, im Central Park kommen noch mal ein paar Wellen, die können auch noch mal ein paar Körner kosten“. Jaaaaa, Herbert kosten die. Aber es sind nur noch vier, zumal man bei km 40 noch mal auf die 60th Street raus muss, wieder ins Geschreie!!! Aber dann Columbus-Circle, das letzte Mal rechts abbiegen, Meile 26 kommt in Sicht, noch 200 Yards, kurzer Blick auf die Uhr 4:00:00 sch……. egal da kommen die Tribünen, da ist die Finishline…….. Arme hoch, Lachen gepresst, Gesicht verzerrt…..FINISH, was für ein Gefühl, mein erster Marathon…….geschafft, jetzt irgendwo ein stilles Plätzchen suchen!!! Denkste, unglaublich freundlich, aber bestimmt wirst du weitergeschoben, Good Job, Congrats jetzt gibt’s Edelmetall, man ist die schwer, und ein Finisherbild, Lächeln wird langsam wieder …. Congrats und weitergeschoben, jetzt gibt’s den Aluvorhang um die Schultern,(*7) wir wollen ja nicht das es dir kalt wird…….. Good Job, Essenbeutel fassen aber go down, immer schön in Bewegung bleiben………. You have the Poncho-Option, go left please, also links eingeordnet und dann endlich nach gefühlten weiteren 2km endlich raus aus dem Park, PostRacePoncho in Empfang nehmen und dann den Weg zurück. Plötzlich ein Stubsen auf die Schultern , Rolf aus Berlin und im Nebenzimmer des Hotels wohnend hat mich erkannt, gemeinsam zurück in die Family-Area zum InterAir stand. Dort dann großer Empfang von Herbert Steffny, Irina Mikitenko und auch Reini (Reinhardt Schmidt von der Laufszene) aklimatisierte sich dort. Irina fragte mich nach meiner Zeit und als ich ihr die Zeit sagte und gleichzeitig, das ich meinen ersten Marathon gefinisht habe, adelte sie mich mit einem Glückwunsch der wirklich vom Herzen kam. Obwohl mir so etwas eigentlich eher peinlich ist, fragte ich sie nach einem gemeinsamen Bild worauf sie sofort einwilligte.(*8) Nachdem die Jule dann auch eintraf rafften wir uns auf und machten uns auf den Weg ins Hotel. Durch die umfangreichen Strassensperrungen benötigten wir für die 3-4km dann auch noch mal ein reichliches halbes Stündchen, wurden aber von vielen aufmerksamen New Yorkern mit unseren Finishermedaillen beglückwünscht.

Nach einem ausgiebigen heissem Bad war ich dann auch schon wieder recht gut regeneriert, so das wir dann gegen 18 Uhr bereits wieder aufbrachen um uns etwas Essbares zu besorgen. Da der Hunger nicht allzu groß war, beschlossen wir ,typisch amerikanisch, bei McDonalds einzukehren. Danach ging es noch über die Grand Central Station und den Times Square zurück zum Hotel.

Montag Abschlussbilder mit der Laufszene und noch mal in den Central Park zur Finishermesse, standesgemäß mit Medaille ist man in NY schon e bissl der Held und wird permanent gegrüßt und beglückwünscht. Abends dann mit Air Berlin in der Holzklasse zurück  landete ich überglücklich morgens 07 Uhr in Berlin. Den Jetlag ließ ich in New York zurück, braucht eh kein Mensch und voll motiviert gehe ich meinen nächsten Marathon im nächsten Jahr an.

Jens Kafka

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